Woher kommt der Weihnachtsmann ?


Er ist prominenter als die Bundeskanzlerin, bekannter als jeder Filmstar und lächelt uns in Alu verpackt aus nahezu jedem Supermarktregal freundlich entgegen. Der alte Herr mit dem weißen Rauschebart, dem roten Mantel und der Zipfelmütze folgt uns zur Zeit auf Schritt und Tritt. Und doch wissen wir von seiner eigentlichen Herkunft so wenig. Vom Nordpol soll er kommen und in einem Rentierschlitten, so glauben dies die Amerikaner und neuerdings wird das auch auf ähnliche Art und Weise den deutschen Kindern durch die Medien vermittelt. Dass sich hinter der Erscheinung des Weihnachtsmannes eine uralte, kulturverwurzelte Mythengestalt verbirgt, kommt dabei den wenigsten in den Sinn.Die Rede ist von unserem Pelzmärtel, Knecht Ruprecht, Nikolaus und Weihnachtsmann in einer Person. Denn ihr Erscheinungsbild betreffend haben sie alle die gleiche gemeinsame Wurzel, die auf den Göttervater unserer germanischen Vorfahren zurückführt, den man sich seinerzeit als alten weißbärtigen Mann in einem bepelzten, blauen Kapuzenmantel vorzustellen pflegte, der insbesondere zur Mittwinterzeit auf seinem windschnellen, achtbeinigen Schimmelhengst Sleipnir und in Begleitung seiner Wölfe Geri und Freki über den winterlichen Nachthimmel zog. Seine beiden Raben „Gedanke“ und „Erinnerung“ flogen dabei dem Gott voraus, um von den Geschehnissen auf der Welt zu künden. Dieser Wotan, in unserer fränkischen Heimat Wodan genannt, erschien zur Winterzeit als Wanderer, der die Gastfreundschaft der Menschen auf die Probe stellte, und diese hierfür reichlich entlohnte. Dieser himmlische Vater des germanischen Götterpantheons galt auch jener Sagengestalt als Vorlage, die nächtens in den Herbst- und Winterstürmen mit der Wilden Jagd von Haus zu Haus zog, um den Kindern Geschenke zu bringen. Er hatte dabei die Gabe, die Guten zu lohnen und die Schlechten zu strafen. Im Vorbeireiten füllte er die bereitgestellten Teller mit Äpfeln und Nüssen, die zu diesem Zwecke draußen auf die Fensterbank gestellt wurden, und die Kinder legten am Vorabend eine Handvoll Hafer für den hungrigen Schimmel bereit. Äpfeln und Nüssen sprach man eine ganz besondere Bedeutung zu, da sie den Keim in sich bargen, der durch die Kraft der Sonne, wenn diese stark genug geworden ist, wieder zu neuem Leben erwachte. Es war die barmherzige und wärmende Energie der Sonne, die man sich herbeisehnte in der Zeit tiefster Dunkelheit und Chaos. In Erwartung der Wiedergeburt von Allvaters Sohn Balder, des lichten Sonnengottes, der zur Zeit der Wintersonnenwende zurückkehren und die Zeit der „Wihe Nahten“, der geweihten Nächte ankündigen sollte (die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit, als die Germanen nach Nächten, und nicht nach Tagen zählten), behing man die Bäume mit glänzendem Schmuck und erhellte die Stuben mit Lichterwerk. Die Rute, die der Schimmelreiter der Sage nach häufig mitführte, war im ursprünglichen Sinne aber nicht für eine etwaige Bestrafung gedacht, sondern es handelte sich dabei um eine in sich keimende, heilspendende Lebensrute, und von ihr gestriffen zu werden, bezeugte Wohlstand und Glück fürs nächste Jahr. In früheren Zeiten war es Brauch, dass die Menschen sich selbst gegenseitig mit einem solchen Zweig einen leichten Schlag gaben, was dem anderen gegenüber einem guten Wunsche gleichkam. Die Zeiten haben sich geändert und auch das Bild des Weihnachtsmannes hat sich gewandelt, doch in unserem tiefsten Innern hat das Bild vom alten, bärtigen Himmelsvater als Archetyp die Zeiten überdauert und lebt als unterbewusst verborgene Ahnung in unseren Herzen weiter.